09.02.01
Papier hat ausgedient
Mertin startet Einführung des Elektronischen Grundbuches in Alzey
„Mein Gott. Wenn ich nicht längst in Rente wäre, würde ich jetzt gehen.“ Fritz Hess, immerhin 95 Jahre alt und ein Urgestein des Alzeyer Amtsgerichts, starrt auf die Computer, die das gute alte Grundbuch demnächst ersetzen. Doch Ruhestand hin, Ruhestand her, der alte Fritz muss wieder an die Arbeit. Der Alzeyer Amtsgerichtsdirektor Hans-Gerd Ludemann hat ihn „reaktiviert“ – für die Einführung des Elektronischen Grundbuchs in Rheinland-Pfalz. Daran tüfteln zwar Dutzende von EDV-Experten – wenn es aber darum geht, historische Grundbucheinträge in Sütterlin-Schrift aus den Anfängen des letzten Jahrhunderts zu entziffern, muss der alte Rechtspfleger Hess her.
Gestern hielt sich der Senior aber dezent im Hintergrund. Justizminister Herbert Mertin (FDP) kam ins Alzeyer Amtsgericht, um den Startschuss für das Pilotprojekt „Elektronisches Grundbuch in Rheinland-Pfalz“ zu geben. Rund 40 Millionen Mark pumpt die Landesregierung in diese Revolution des Grundbuchwesens: Die Papiergrundbücher werden nach und nach alle elektronisch erfasst und dann endgültig geschlossen.
„Das ist ein Quantensprung im Grundbuchamt“, freut sich Minister Mertin. Vorteile entstünden vor allem für die Nutzer: Kultur- und Katasterämter und Notare werden mit dem Elektronischen Grundbuch vernetzt und haben künftig jederzeit Zugang zu den Daten. Auch Einträge werden dann dank des Computer-Programms „Solum-Star“ per Mausklick erledigt.
Rheinland-Pfalz ist eines der ersten Bundesländer, in denen das Elektronische Grundbuch eingeführt wird. Seine Praxistauglichkeit muss das neue System in Alzey unter Beweis stellen – das Amt soll bis März dieses Jahres umgestellt sein. Drei weitere Grundbuchumstellungszentren entstehen in Kaiserslautern, Koblenz und Trier. Bis 2004, hofft Mertin, arbeiten dann alle rheinland-pfälzischen Grundbuchämter mit „Solum-Star“. Bis der Computer die Arbeit macht, haben die Justizmitarbeiter aber noch viel zu tun: 2,3 Millionen Grundbücher müssen eingescannt werden. Müsste der alte Rechtspfleger Hess die Einträge alle abtippen, wäre er 220 Jahre damit beschäftigt.
Quelle: Mainzer Allgemeine Zeitung vom 30.01.2001
(Ich erinnere mich an eine Berechnung eines Forscherkollegen bzgl. der Verkartung der rheinhessischen Kirchenbücher: "Wenn M.L. und T.F. weiterhin so fleißig KB abschreiben, sind sie in 21 Jahren fertig...")
:-) Ein schönes Wochenende!
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