Anton Praetorius – ein Kapitel Rheinhessischer Geschichte
Gegen Hexenprozesse und Folter: Zum 400-jährigen Gedenken an das Lebenswerk von Anton Praetorius
By Hartmut Hegeler
Posted 31-12-2003
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Anton Praetorius
Dittelsheim / Worms – 400 Jahre ist es her, dass ein Pfarrer den Mut fand, öffentlich Folter und Hexenprozesse anzuprangern in einer Zeit, in der die Hexenverfolgung ihren grausamen Höhepunkt erreichte. Die Rede ist von Anton Praetorius. Zum 400-jährigen Gedenken stellte Hartmut Hegeler, kreiskirchlicher Pfarrer aus Westfalen, in Dittelsheim-Heßloch auf Einladung von Pfarrerin Schaab im Evangelischen Gemeindehaus das bewegende Leben dieses außergewöhnlichen Kämpfers gegen den Hexenwahn dar.

Großes Aufsehen in Deutschland erregte das Buch “Gründlicher Bericht von Zauberey und Zauberern”, welches 1613 vom ehemaligen Dittelsheimer Pfarrer Anton Praetorius veröffentlicht wurde. Schonungslos attackierte der Verfasser die unmenschlichen Hexenprozesse. Als einer der ersten Christen stellte er sich gegen die Hexenverfolgung und forderte die Obrigkeit mit Argumenten aus der Bibel auf, die unchristliche Folter von Angeklagten zu beenden. Mit drastischen Worten kritisierte er Rechtsbrüche und Grausamkeit der Juristen: “O Ihr Richter, was macht Ihr doch? dass ihr schuldig seid an dem schrecklichen Tod Eurer Gefangenen? Ihr seid Totschläger! Gott schreibt es auf einen Denkzettel! Welche Richter zu der Ungerechtigkeit Lust haben und unschuldiges Blut vergießen, werden in Gottes Hand zur Rache verfallen und sich selbst in die unterste Hölle hinabstürzen!” Wer so gegen Hexenprozesse wetterte, machte sich verdächtig, selbst ein Freund der Hexen zu sein, und lief Gefahr, vor ein Hexengericht gestellt zu werden.
Gegen die Hexenverfolgung erhoben sich vereinzelte Stimmen von Christen, oft unter dem Risiko selbst verfolgt zu werden. Das Wissen über evangelische Gegner der Hexenverfolgung ist aber im Dunkel der Vergangenheit fast völlig untergegangen. Dieses Schicksal widerfuhr auch Anton Praetorius, der 1602 als erster protestantischer Pfarrer ein mutiges Buch gegen Hexenverfolgung unter seinem eigenen Namen veröffentlichte. In Lehrbüchern der Kirchengeschichte wird Praetorius oft nicht erwähnt.

Um 1600 begann sich in der evangelischen Kirche überkonfessionelle Opposition gegen die Hexenverfolgung zu formieren. Der reformierte Pfarrer Anton Praetorius hatte viele Jahre die theologische Position der Lutheraner als “wider-christlich” bekämpft. Deswegen überrascht es, dass er 1613 der dritten Neuauflage seines Berichtes über “Zauberey” ein kritisches Gutachten lutherischer (!) Theologen aus Nürnberg aus dem Jahr 1602 anfügte. So wurde sein “Bericht” von 1613 ein überkonfessioneller Appell gegen Folter und Hexenprozesse.
In seinem Kampf gegen Hexenprozesse und Folter erhielt Anton Praetorius Unterstützung und Förderung von Gesinnungsgenossen in ganz Deutschland. Die lange Liste der Widmungen in seinem Buch von 1613 zeigt, dass es in der Kurpfalz und in ganz Deutschland unter Theologen und angesehenen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens etliche Kritiker der Hexenprozesse gab.
Auf der Widmungsseite seines Buches hob er 1613 die Unterstützung von vielen kirchlichen Mitarbeitern hervor. Wer waren diese Menschen aus der Gegend von Kreuznach, Oppenheim, Nierstein, Wachenheim, Bensheim, Sprendlingen und Sieffersheim, denen Praetorius sein Buch widmete?

Johannus Althusius, Pfarrer zu Wachenheim, stammte aus Diedenshausen in Wittgenstein, studierte Theologie in Heidelberg, war Diakonus in Neustadt, bis 1610 Hofdiakon in Heidelberg, dann Diakon und seit 1611 Pfarrer in Wachenheim. Seine beiden Brüder lebten in Holland, der eine war Pfarrer, der andere Arzt.
Johannus Meierus, Prediger zu Bensheim, kam aus Kreuznach und wirkte seit 1610 als Diakon in Bensheim. 1618 wurde er selbständiger Pfarrer mit dem Titel Inspektor. Schon 1621 scheint Meyer krank geworden zu sein. Am 14. Dezember 1622 starb er und wurde wie sein Vorgänger in der Friedhofskapelle begraben. Bis kurz vor seinem Tod hatte er ‘unter Anstrengungen’ noch Dienst getan.
Wimarus Stipelius, Pfarrer zu Sprendlingen (bei Alzey), wurde 1572 in Stypel bei Blankenstein in Westfalen geboren und studierte in Düsseldorf. Er war Hauslehrer der Edlen von Bodelschwingh. An seiner Seite wirkte als Schulmeister in seiner Gemeinde der getreue Johannes Cisnerus, der Anton Praetorius beigestanden hatte im Hexenprozess in Birstein. Stipelius war hinterher Pastor in Dexheim und in Venlo. Spätere Quellen sprechen von der Witwe “Weimari Stipelii”.

Abelus à Creutzanus wurde Pfarrer zu Sieffersheim im Jahr 1597, als Praetorius den Hexenprozess in Birstein miterlebte. Wie sein Name besagt, stammte Abelus à Creutzanus aus Kreuzau bei Düren. Die Jülicher Synode gab ihm 1585 nach seinem Abschied aus Kirchherten auf seine Bitte hin Empfehlungsschreiben an den Heidelberger Kirchenrat mit.
Philippus Phildius, Pfarrer zu Nierstein, wurde 1584 geboren, stammte aus Friedburg und begann seinen Dienst 1604 in der Pfarrei Nierstein.
Valentinus Laupaeus Ingelheimensis wurde am 13.1.1561 in Ingelheim geboren und wirkte als Pfarrer und Inspektor zu Oppenheim. Er war dort schon vier Jahre Pfarrer, als Praetorius 1589 seinen Dienst an der Katharinenkirche in Oppenheim als Diakonus begann. Seine Frau Agnes schenkte am 3.8.1589 dem Sohn Hans Jakob das Leben. Das war im gleichen Jahr, als Maria, die Frau des Praetorius, den Sohn Gerhardt gebar. Seit 1597 war Laupaeus zugleich Inspektor.

Pfarrer Johannes Hulsmannus wirkte als Inspektor zu Kreuznach. Kreuznach hatte schon einige Konfessionswechsel hinter sich: die Gemeinde wurde 1577 lutherisch und 1587 calvinistisch. Seit 1586 war Johannes Hulsmannus Pfarrer an St. Peter in Heidelberg gewesen, dadurch der landesherrlichen Familie aus nächster Nähe bekannt. So hatte er sich der Kirchenbehörde für diesen wichtigen Posten empfohlen als Nachfolger von Superintendent Stiefel. Statt Superintendent bürgerte sich jetzt der Titel Inspektor ein. Johannes Hulsmannus war geborener Langenberger und hatte verschiedene theologische Diskurse herausgegeben. ["Edidit quasdam diascepses theologicas; vixit adhuc an. 1620". (Er veröffentlichte einige theologische Schriften, er lebte bis zum Jahr 1620.)]
Die stürmischen Jahre 1585-87 hatten für die Gemeinde Kreuznach die doppelt wichtige Folge, dass die Kurpfalz sich bei der Besetzung der Pfarrstelle als der Stärkere erwiesen hatte, dem die spätere badische Regierung nur wirkungslosen Widerspruch entgegenzusetzen wagte. Mit Scheuerlins Vertreibung hörte die lutherische Gemeinde in Kreuznach für 45 Jahre auf zu bestehen, und der Calvinismus hatte hier seine Alleinherrschaft angetreten.
Jan. Fabianus Betingerus, Cantor zu Creutznach, auch Johann Beringer genannt, war dritter Lehrer in Kreuznach. Es ist überliefert, dass er als Lohn 80 Gulden bekam, dazu 1 Fuder Wein und 15 Malter Korn.
Diese Widmungen zeigen, dass Praetorius viele persönliche Beziehungen nach Rheinhessen hatte, die ihm so wichtig waren, dass er sie in seiner Kampfschrift gegen Hexenprozesse und Folter an hervorgehobener Stelle ausdrücklich erwähnte.
Dies waren die Menschen, von denen Praetorius sich unterstützt wusste und die ihm möglicherweise auch Geld für den Druck des Buches gegen Hexenprozesse und Folter gaben.
Anton Praetorius – ein Kapitel Rheinhessischer Geschichte Teil 2
Gegen Hexenprozesse und Folter: Zum 400-jährigen Gedenken an das Lebenswerk von Anton Praetorius
By Hartmut Hegeler
Posted 1-1-2004
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Anton Praetorius

Historiker suchen heute noch nach Gründen, wie es zu den Hexenverfolgungen kommen konnte. Fest steht, dass im 16. und 17. Jahrhundert in Deutschland ein geistiges Klima herrschte, das die Verfolgungen begünstigte. Kriege, Krankheiten und Katastrophen erzeugten bei den Menschen Angst und Panik. Prediger beschworen Endzeitstimmung. Um 1590 wüteten spanische Truppen in Deutschland. Eine Pestepidemie raffte zum Teil die Hälfte der Bevölkerung hinweg. Überall in Mitteleuropa sanken die Temperaturen – die sogenannte kleine Eiszeit. Die Ernten verdarben, die Menschen litten Hunger, das Vieh starb. Krankheiten breiteten sich aus. Die Menschen fragten sich, wieso diese Katastrophen passierten und führten in ihrer abergläubischen Weise alles auf Schadenszauber zurück. Hexen wurden beschuldigt, den Menschen Schaden zuzufügen. Man suchte Sündenböcke – und man fand sie. Die Jagd auf das „Hexengeschmeiß“ begann.
Anton Praetorius, 1560 in Lippstadt geboren, machte bereits als Jugendlicher Erfahrungen mit der Grausamkeit der Hexenprozesse, die ausnahmslos von weltlichen Gerichten durchgeführt wurden.
Praetorius erlebte persönliche Katastrophen wie so viele Menschen seiner Zeit. Seine erste Frau hatte drei Fehlgeburten und starb während einer Pestepidemie. Nur der älteste Sohn Johannes überlebte. Seine zweite Frau starb kurz nach der Hochzeit an der Pest.

1587 verwaltete Praetorius als Diakon in Worms den Kirchenkasten für soziale Belange. 1592 wurde er Pfarrer in Dittelsheim und besuchte 1593 das nahe gelegene Herrnsheim in Worms mit dem großen Schloss der Dalberger. Dabei wurde er Zeuge des Dalberger Hexenprozesses. Unter schrecklichen Foltern hatten Hesslocher Frauen gestanden, Hexen zu sein. Praetorius schrieb, dass “Männer und Weiber verbrannt worden. Für deren Endurteil wurden vom Rathaus aus einem Fenster solche schändliche, närrische und greiflich lügenhafte Dinge von teuflischer Gemeinschaft und Wettermachen öffentlich vorgelesen, dass mir das Zuhören wehe täte und ich mich für keuschen Ohren schämen müsste, dieselben zu erzählen.”

1594 reiste Praetorius von Dittelsheim über Worms nach Heidelberg, dem Zentrum reformierter Theologie. Praetorius war von der Universitätsstadt am Neckar tief beeindruckt. Nach seiner Rückkehr befragten ihn die Dittelsheimer Gemeindeglieder ausführlich nach dem Großen Fass, so dass er im Pfarrhaus von Dittelsheim im Oktober 1595 in lateinischer Sprache die älteste Nachricht von dem großen Wein-Fass in Heidelberg schrieb – schon damals eine touristische Attraktion. Darin pries er das Fass als gottgefälligen Beweis für die Überlegenheit seines reformierten Glaubens.
1596 wurde er Hofprediger des Grafen in Birstein (30 km nordöstlich von Frankfurt) und musste an einem Prozess gegen vier ‚Hexen‘ teilnehmen. Das Gericht ließ die Frauen foltern, um ein Geständnis zu erzwingen. Doch Praetorius machte nicht mit. Er war Christ, und sein Maßstab war die Bibel. Der Pfarrer wetterte derart gegen die Folter, dass der Prozess beendet und die letzte noch lebende Gefangene freigelassen wurde. Dies ist der einzige überlieferte Fall, dass ein Geistlicher während eines Hexenprozesses die Beendigung der unmenschlichen Folter verlangte – und Erfolg hatte. Der Schreiber der gräflichen Kanzlei hielt diesen ungewöhnlichen Vorfall fest: „Weil der Pfarrer alhie heftig dawieder gewesen, als man die Weiber peinigte, also ist es diesmal deßhalben unterlassen worden.“
Der Graf entließ seinen Hofprediger umgehend. Praetorius fand in Laudenbach/ Bergstrasse in der Nähe von Heidelberg eine neue Pfarrstelle. Dort schrieb er sein Buch gegen die unchristlichen Hexenprozesse: „Gründlicher Bericht über Zauberey und Zauberer“. 1602 erschien es unter seinem Namen. Viele Jahre kämpfte Praetorius unter Einsatz seines Lebens gegen Folter und Hexenprozesse und trug so seinen Anteil zur späteren Überwindung der Hexenverfolgung bei. Dabei berief er sich immer wieder auf die Bibel und seinen christlichen Glauben und trug so 30 Jahre vor dem bekannten Jesuiten Friedrich Spee von Langenfeld seinen Anteil zur späteren Überwindung der Hexenverfolgung bei.
In seiner Zeit hat er sich vehement gegen eine Zeitströmung gewandt, die in ihrer Hysterie kaum zu überbieten war. Dafür wird er es nicht leicht in seinem Leben gehabt haben, aber er hat das bewiesen, was wir heute immer wieder fordern sollten, Glaube und Zivilcourage.
Lebensdaten von Pfarrer Anton Praetorius
Praetorius (von lat. „Praetor“ = Vorsteher, Oberrichter, Schulze). Er setzt seinen Namen selber von “Schulze” ins lateinische “Praetorius”.
1560 im westfälischen Lippstadt als Sohn von Matthes Schulze geboren, besucht die Lateinschule in Lippstadt und studiert Theologie. Er erwirbt sehr gute Bibelkenntnisse.
1573 erlebt er in Lippstadt einen Hexenprozess mit.
1581 Mit 21 Jahren wird Praetorius in den Schuldienst in Lippstadt berufen.
1585 im Frühjahr bringt seine Frau Maria in Kamen den Sohn Johannes zur Welt.
1586 Rektor der Lateinschule in Kamen.
1587 lutherischer Diakon in Worms, verantwortlich für Kirchkasten und soziale Belange
1589 als Diakon an der Katharinenkirche im kurpfälzischen Oppenheim. Hier scheint er eindeutig dem reformierten Bekenntnis anzugehören.
1592 wird er Pfarrer in der kurpfälzischen Gemeinde Dittelsheim.
1593 wird Praetorius in Worms Zeuge des Dalberger (Hesslocher) Hexenprozesses.
1595 verfasst er im Oktober auf Latein die älteste Nachricht vom großen Fass in Heidelberg.
1596 wechselt Praetorius nach Offenbach am Main in die Grafschaft Ysenburg-Büdingen.
1596 stirbt Maria, die Frau von Praetorius, als er 36 Jahre alt ist. Er heiratet wieder, doch die zweite Frau verstirbt am 12.Tag nach dem Kirchgang an der Pest. Er verlobt sich ein drittes Mal, doch die dritte Frau stirbt drei Tage nach der Abkündigung der Hochzeit.
1596 bis 1598 arbeitet er als fürstlicher Hofprediger in Isenburg-Birstein. Umbau der kleinen Kapelle in Birstein zu einer Kirche.
1597 Am 8.2. Heirat mit Sibylle, der Tochter des Pfarrers Pistorius aus Muschenheim/Lich.
1597 Am 6. März Buchveröffentlichung “Haußgespräch: Christliebenden Eltern und Kindern zur Beförderung gottseliger Privatübung.”
1597 Im Mai veröffentlicht Praetorius einen Katechismus
1597 Am 3.7. wird Praetorius Zeuge eines Prozesses gegen vier Frauen aus Rinderbügen. Mit wütendem Protest setzt er sich für diese Frauen ein. In den Akten heißt es:
“weil der Pfarrer alhie hefftig dawieder gewesen, das man die Weiber peinigte, alß ist es dißmahl deßhalben underlaßen worden. Da er mit großem Gestüm und Unbescheidenheit vor der Tür angericht den Herrn D. angefürdert und heftig CONTRA TORTURAM geredet.” Praetorius gelingt es, eine Frau aus der Folterkammer zu retten.
Entlassung als Hofprediger durch Graf Wolfgang Ernst.
1598 Pfarrer in Laudenbach in der Kurpfalz. Praetorius richtet eine Armenkasse ein und einen kirchlichen Friedhof.
1598 unter dem Pseudonym seines Sohnes Johannes Scultetus Camensis Westphalo (aus Kamen in Westfalen) veröffentlicht er das Buch: “Von Zauberey vnd Zauberern Gründlicher Bericht”.
1602 fasst er in einer 2. Auflage des Buches den Mut, seinen eigenen Namen als Autor zu verwenden.
1602 erscheint sein theologisches Hauptwerk “de sacrosanctis Jesu Christi sacramentis”
1604 Am 1. Mai schreibt sich sein Sohn Johannes an der Universität in Heidelberg ein.
1605 schließt Sohn Johannes das Studium der Philosophie und Theologie mit dem Baccalaureat ab.
1612 Umbau der Kirche in Laudenbach: “protestantische Tür”
1613 stirbt Sohn Johannes im Alter von 28 Jahren.
1613 Am 15. Juni hält Praetorius eine letzte Trauung in Weinheim.
1613 erscheint die dritte Auflage seines Berichtes über Zauberey und Zauberer
1613 Am 6.12. stirbt Praetorius im Alter von 53 Jahren in Laudenbach/Bergstrasse.
1629 erscheint die vierte Auflage seines Berichtes über Zauberey und Zauberer posthum.

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Zum 400-jährigen Gedenken hat der kreiskirchliche Berufsschulpfarrer Hartmut Hegeler das Wirken dieses Kämpfers gegen den Hexenwahn in einer Biographie gewürdigt. Das hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst, die Evangelische Landeskirchen in Baden und Kurhessen-Waldeck, der Landschaftsverband Westfalen-Lippe, das Bürgermeisteramt Laudenbach und der Geschichtsverein Oppenheim haben die Herausgabe des Buches gefördert.
Näheres über die Publikation „Anton Praetorius – Kämpfer gegen Hexenprozesse und Folter“ findet sich im Internet:www.anton-praetorius.de.
Das Buch kann zum Preis von 14,99 Euro beim Autor bestellt werden (im Festeinband zum Preis von Euro 22,95):
Pfarrer Hartmut Hegeler, Sedanstr. 37, 59427 Unna, Tel. 02303/53051.
Hartmut.Hegeler@gmx.de
ISBN 3-9808969-4-3

In Hegelers Jugendbuch “Hexenbuhle”, das 2004 erscheint, versucht der Jugendliche Jodokus das Geheimnis um seinen Onkel Anton Praetorius zu ergründen. Das Buch wird gefördert vom Kreis Unna, der Stadt Lippstadt, der Kirchengemeinde Muschenheim und von den Stadtwerken Unna und kostet 5,00 Euro. (ISBN 3-9808969-1-9)
In der spannenden Erzählung begegnet uns mit Jodokus Praetorius möglicherweise die einzige namentlich bezeugte historische Gestalt eines Jugendlichen aus dieser Zeit. Jodokus stammte aus Unna und hieß mit vollem Namen Jodocus Praetorius Unnensis Westphalus. Aus seiner Sicht erzählt er das besondere Engagement seines Onkels Anton Praetorius gegen die Verfolgung unschuldiger Menschen. Bald gerät Jodokus, der 1614 in Heidelberg sein Studium abschließt, in die dramatischen Ereignisse eines Hexenprozesses und einer Judenverfolgung (dem sog. “Fettmilch-Aufstand” 1614 in Frankfurt/M.).
Er erfährt, wie wichtig es ist, sich eine eigene Meinung zu bilden und Zivilcourage aufzubringen. Diese Geschehnisse sind durch Urkunden belegt. Deutlich wird, wie damals in Notzeiten Sündenböcke gesucht – und gefunden wurden. Die Erzählung bleibt ganz eng an den historischen Fakten. Originaldokumente werden im Buch abgebildet, so dass dem Leser deutlich wird, dass es sich um wirkliche Ereignisse aus der Zeit um 1600 handelt. Etwa 30 zeitgenössische Zeichnungen und Holzschnitte bereichern den Informations- und Bildungswert des Buches und stärken die Lesemotivation junger Leser.
Ziel des Buches ist es, den Opfern der Gewalt in Hexenprozessen und Judenverfolgung aus der Zeit um 1600 ein ehrendes Gedenken zu setzen und ihr Schicksal aus dem Dunkel der Vergangenheit herauszuholen und dem Vergessen zu entreißen. Besonders der Einsatz von Anton Praetorius als couragierter Kämpfer gegen Folter möchte Anstöße geben für ein Engagement gegen Gewalt heute.
Weitere Bücher des Autors:
Anton Praetorius und das 1. Große Fass von Heidelberg
von Hartmut Hegeler und Stefan Wiltschko
6 Euro
ISBN 3-9808969-0-0
Hexenprozesse, die Kirchen und die Schuld
von Hartmut Hegeler
5 Euro
ISBN 3-9808969-2-7
Anton Praetorius und die Hexenprozesse. Materialien f. d.Schulunterricht
von Hartmut Hegeler (2004)
ca. 10 Euro
ISBN 3-9808969-3-5

